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Für Kinder mit Spreizhose oder Gips durch Hüftdysplasie

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Hüftdysplasie an einer Seite

Hüftdysplasie an einer Seite

  • Nicht erblich, keine Steißlage.
  • Entdeckt von den Eltern, der Krankengymnastik und dem Kinderarzt
  • Spreizhose, Hüftgips, Spreizhose
  • Behandlung ab 4 Monaten bis 1 Jahr und 8 Monate. In einem halben Jahr Untersuchung und möglicherweise Weiterbehandlung, wenn die Hüfte sich nicht ausreichend weiterentwickelt hat.


Unsere Tochter Emma wurde am 20. September 2011 geboren.

Die ersten Monate hat Emma viel geweint und es offenbarte sich eine ausgeprägte Vorzugshaltung. Der Kinderarzt stellte Reflux (Rückfluss der Nahrung in die Speiseröhre) fest und dank Medizin und Sondernahrung ging es Emma zum Glück schon bald wieder besser.
Dennoch hatten wir ein Vorgefühl. Es gab nämlich Momente an denen sie weinte und wir sie beruhigen konnten, indem wir ihre Beine anwinkelten und im Spreizstand festhielten. Bei der Krankengymnastik (die uns begleitete wegen ihrer Vorzugshaltung) zweifelte man daran, ob Emmas Hüften sich überhaupt richtig entwickelten. Glücklicherweise nahm der Kinderarzt unsere Geschichte ernst und wurden sofort weitere Untersuchungen eingeleitet. Aus dem Ultraschall ging eine Hüftdysplasie an der linken Hüfte hervor.

Es ist bei uns nicht erblich und Emma hat auch nicht in einer Steißlage gelegen, kurz: “Dumm gelaufen”.
Emmas Behandlung fing an als sie 4 Monate war, und zwar mit einer Spreizhose.
Wir als Eltern sahen dem mit Schrecken entgegen, da wir Geschichten von viel Unruhe in den ersten Tagen gehört hatten. Emma hat die Spreizhose aber von Anfang an akzeptiert, es schien so, als fühle sie sich gerade ruhiger.

Wir haben uns anfangs richtig an die Reaktionen anderer Leute gewöhnen müssen. Die Bemerkung: ‘Ach, die arme’ mussten wir oft anhören. Wir haben dann immer erklärt, dass es gerade schlimm wäre, wenn wir sie nicht behandeln ließen, da dies ja Folgen für ihre Zukunft hätte. Nach einer Weile haben wir die Blicke und Bemerkungen anderer gar nicht mehr wahrgenommen; Wir lernten, dass es (fast) immer gut gemeint ist.
Ganz kurz ist noch die Rede gewesen von einem eventuellen Wechsel auf eine Pavlik-Bandage. Emma hatte Ekzem und unter den Rändern der Spreizhose blieb der Ausschlag nass.

Der Kinderarzt hat empfohlen Verbandstreifen (statt Leggings) zu tragen und das hat viel gebracht.

Praktische Tipps

Praktisch gesehen haben wir uns sehr an die neue Situation gewöhnen müssen. Da der Kinderwagen zu schmal war für den Spreizstand, sind wir schon bald auf einen Buggy umgestiegen. Diesen konnten wir flach legen und die Seiten mit Handtuchrollen ausstopfen, sodass sie doch stabil darin liegen konnte.

Auch mit Tragen und Wickeln haben wir uns anfangs etwas schwer getan, zum Glück lernt man schnell.

Am lästigsten war für uns der Transport im Auto. Das Personal im Gipsraum hatte uns nahegelegt, die Babyschale nicht anzupassen. Diese ist dann nicht sicher und das heißt, dass man dann nicht versichert ist. Die Spreizhose haben wir deshalb abgenommen wenn Emma in der Babyschale lag und  ihr sofort wieder angezogen, wenn wir unser Ziel erreicht haben. Das war zwar jeden Mal etwas umständlich, zum Beispiel beim Einkaufen, wenn wir ihr dann auf dem Beifahrersitz die Spreizhose wieder angelegt haben.

Auch Kleider mussten wir neu kaufen. Kleidchen hatten wir bis dahin eigentlich nicht (sie hat einen älteren Bruder…), also mussten wir shoppen gehen und ausprobieren, was bequem ist und gut aussieht. Im Winter habe ich Stutzen über die Spreizhose gezogen, so war sie doch schön warm angezogen.
Der Sitzsack (wie auf der Internetseite von Kiek) war sehr nützlich als alternative Babyliege.

Traktion

Nachdem Emma ihre Spreizhose 5 Monate lang getragen hatte, stellte sich doch nur eine minimale Verbesserung ein.
Wir mussten wirklich schlucken, als wir zu hören bekamen, dass sie sich 2 Wochen lang einer Traktionsbehandlung unterziehen und anschließend 3 Monate einen Hüftgips bekommen sollte.

Die Traktionsbehandlung hat Emma ganz ruhig durchgestanden. Sie akzeptierte sie und schlief, spielte und aß als wäre nichts gewesen. 
Die letzten Tage waren dann doch etwas schwerer für sie, besonders der vollständige Spreizstand. Emma hatte ein Kuscheläffchen, das ihr sehr geholfen hat. Mit ihm hat sie viel gekuschelt in der Zeit.

Wir sind während der ganzen Behandlungszeit bei ihr geblieben (einer von uns bei Emma, der andere bei unserem Ältesten Stijn) und ich denke, dass ihr das bestimmt geholfen hat, sich sicher zu fühlen in der fremden Umgebung. Auch beim Wickeln der Beine (1x täglich) war immer einer von uns dabei um sie zu trösten.

Wir haben sie auch oft mit ihrem Bett im Krankenhaus herumgefahren um zum Beispiel gemeinsam als Familie im Restaurant essen zu können, aber auch damit sie mal etwas anderes sieht. Auf jeden Fall war es gut, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon gelernt hatten, mit der Meinung und den Blicken anderer Leute umzugehen

Gipshose

Und dann kam die Zeit im Gips. Von vornherein haben wir uns kaum eine Vorstellung machen können, was uns da genau erwartet.
Ihr Ausschlag hat uns Sorgen gemacht, wir wussten aber auch, dass sie keine Wahl hat. Zum Glück hatte Emma in der Gipshose kein Ekzem. Da gerade Sommer war, sind wir viel im Haus geblieben und abends raus gegangen, wenn es nicht mehr so heiß war.
Unseren Sommerurlaub haben wir abgesagt und Ausflüge haben wir auch nicht so häufig gemacht; das Zusammensein mit unserer Familie in aller Ruhe hat uns aber auch gut gefallen.

Emmas Akzeptanz des Gips und ihre Fröhlichkeit machten diese Zeit für uns ganz erträglich. In dieser Zeit ist sie nicht zur KITA gegangen, wir haben selber unbezahlten Urlaub genommen.

Praktische Tipps

Gespielt hat sie im Kindersitz aus Stoff (der auf der Internetseite von Kiek abgebildet ist). Diesen hatten wir an einem kleinen, schmalen Stuhl (Kinderstuhl von Ikea) befestigt, wo ihre Beine gerade nicht mehr die Sitzfläche berührten; die Höhe des Stuhls passte genau unter den Wohnzimmertisch. So konnte sie am Tisch sitzen und mit feinmotorischem Spielzeug spielen, wie zum Beispiel einem Holzpuzzle oder Klötzchen. Wir sind immer bei ihr geblieben, weil der Kinderstuhl leicht umkippen konnte durch das Gewicht des Gipses.

Später haben wir (auf eBay) einen hohen Kinderstuhl gefunden (hat ein Tischler für Kinder in Gips- oder Spreizhosen angefertigt). Der Stuhl hatte eine integrierte Tischplatte, an der sie spielen und essen konnte.
Spazieren gehen hat sie gern gemacht und ein Tag im Zoo war ein Riesenerfolg. In unserem Kinderwagen (mit tiefem Sitz) konnte sie jedoch nicht sitzen. Deswegen haben wir unseren Buggy mit schmalem Sitz mit einem Kissen in ihrem Rücken und unterm Po ausgestopft, damit sie darin sitzen konnte (auch hier lagen ihre Beine nicht auf der Sitzfläche auf).

Die Versorgung stellte sich als halb so schlimm heraus; möglicherweise auch, weil Emma keine durchgelaufenen Windeln hatte und wir sehr strikt waren im Wickeln und sauber halten. Windeln (Größe 3) haben wir in eine runde Bindenform geschnitten, wobei wir die Seiten intakt ließen. Man sagte uns, dass es praktisch ist eine Spachtel zu verwenden um damit die Windel so weit wie möglich nach innen zu schieben. Wir haben selber erfahren, dass es mit den Fingern besser geht, weil man so besser fühle kann, ob die Windel auch gut verteilt ist und keine ‘Pfropfen’ entstehen, die Druckstellen verursachen können. Die ersten paar Mal sind gewöhnungsbedürftig, aber nach einigen Tagen wurden wir immer besser. Wenn man darauf achtet, dass die Seiten mit dem Gummi auch wirklich gut nach innen liegen, läuft auch nichts durch. Über die Gipshose haben wir eine Windel in Größe 5 gewickelt und auch diese Seiten nach innen gewurstelt. Der Gipsraum hat uns Klebefilz mitgegeben, damit wir die Ränder der Gipshose sauber halten können. Das haben wir jedoch nur einmal gemacht; Emma musste davon so weinen, dass wir beschlossen haben, sie noch öfter zu wickeln, damit der Filz auch sauber bleibt. Und zwar auch nachts ein paar Mal (zum Glück hat sie einfach weitergeschlafen).
Emma hat mit ihrem Hüftgips immer gut geschlafen. Anfangs haben wir kleine Kissen unter ihre Füße gelegt, sodass sie keine Druckstellen bekommt. Emma hat diese aber immer weggeschoben.

Da haben wir ein Rollkissen zwischen die Stäbe ihres Gitterbettchens gelegt, das hatte die richtige Höhe (und hat uns Ruhe gegeben, denn die Rolle ist wenigstens liegen geblieben).

Mit der Kleidung gab es keine Anpassungen. Die Stulpen, die wir über die Spreizhose gezogen haben, haben wir jetzt verwendet damit sie ab und zu mal eine andere Farbe tragen konnte. Ein Sommeroutfit waren Stulpen, die wir aus Billigleggings gefertigt und über den Gips gezogen haben.

Wieder eine Spreizhose

Als Emma ein Jahr war, wurde der Gips abgenommen. Für Emma eine unangenehme Erfahrung, weil sie Angst hatte vor dem Geräusch der Säge. Bei anschließenden Kontrollen im Gipsraum, oder beispielsweise beim Wiegen beim Kinderarzt haben wir das noch eine Weile an ihr bemerkt.
Nach der Gipshose kamen noch einmal 8 Monate Spreizhose, wovon 3 Monate nachts. Die letzten Wochen nachts hat Emma als unangenehm empfunden. Sie wollte gern auf einer Seite liegen und das hat die Nächte unruhig gemacht. Deswegen wurde beschlossen, die Spreizhosenbehandlung zu beenden.
Ihre Hüfte ist noch immer nicht so, wie sie sein sollte. Wir haben aber die Hoffnung, dass wenn sie laufen kann, sich dann auf natürliche Art und Weise eine Pfanne und ein Kopf bilden wird. In 6 Monaten haben wir wieder eine Kontrolle und dann hören wir, ob sie wirklich fertig ist. Sollte dies nicht so sein, wird eine Operation durchgeführt mit anschließend erneut Gips.

Praktische Tipps

Da sich herausstellte, dass die Behandlung noch länger dauern würde, haben wir beschlossen, einen besseren Kinderwagen anzuschaffen. Sie wurde größer und wir wollten gern, dass sie besser sitzen kann. Für uns war es außerdem angenehmer, mit einem guten Kinderwagen spazieren zu gehen. In einem großen Kindergeschäft haben wir Probesitzen gemacht und der Maxi Cosi Mura (altes Modell) passte gut. Wir haben selbst noch ein Kissen anfertigen lassen, sodass sie darin höher lag und der Rahmen ihre Beine überhaupt nicht mehr beeinträchtigte.

Auch Autofahren war jetzt leichter, da Emma nun in einem Gruppe 1-Kindersitz sitzen konnte. Wir haben den Römer Evolva gekauft; dieser hat keine Seiten und so konnte Emma mit ihrer Spreizhose gut darin sitzen. Der Sitz ist allerdings teuer, lässt sich aber umbauen, sodass er bis zu 12 Jahren genommen werden kann.

Unser Empfinden

Die vergangene Zeit hat dafür gesorgt, dass wir stolz sind auf Emma!
Sie hat (fast) alles immer fröhlich über sich ergehen lassen.
Wir sind der Meinung, dass Hüftdysplasie nicht das schlimmste ist, das einem passieren kann. Es ist lästig und man braucht etwas Kreativität sich anzupassen und dafür zu sorgen, dass dein Kind gefordert wird und sich so normal wie möglich weiterentwickelt.
Anfangs waren wir unsicher, ob wir die Hose überhaupt richtig angezogen haben. Als Eltern möchte man den Behandlungszeitraum für sein Kind natürlich so kurz wie möglich haben. Ein Gipsraum mit einem offenen Ohr ist dann ein Segen: Wir konnten immer anrufen und jederzeit vorbeikommen. Auch mit ihrem Ausschlag haben sie mit uns mitgedacht über Lösungen, wie wir es Emma leichter machten können.
Die Einschränkung, beispielsweise nicht Radfahren oder Schwimmen zu können, war für uns besonders lästig. Emma kannte das ja nicht, deswegen hat es ihr nicht gefehlt.
Emmas Grobmotorik ist etwas im Rückstand. Das gehört aber dazu und wir haben vollstes Vertrauen, dass sie dies in ihrem eigenen Tempo aufholen wird. Die Krankengymnastik hilft ihr ebenfalls dabei, ihr dieses Vertrauen zu geben.
Dieser ganze Weg hat uns gelernt, dass es wichtig ist die Fragen und Enttäuschungen nicht zu verstecken, sondern mit dem Orthopäden zu besprechen. Als wir beispielsweise die Röntgenbilder gesehen haben, die das Ergebnis der Gipshose zeigten, waren wir enttäuscht, weil eigentlich keine Verbesserung sichtbar war. Unser Orthopäde hat uns eines Besseren belehrt und erklärt, dass sich doch etwas getan hat, da ihr Hüftkopf sich jetzt an der richtigen Stelle der Pfanne befand. Weil wir das eingesehen haben, konnten wir den Mut aufbringen, weiterzumachen!
Im hier und heute gilt für uns, dass wir viel über werden mit laufen und die kommenden 6 Monate das Leben ohne Spreizhose genießen werden!!!